Das Konzept Holistic

Die Voraussetzungen für das Verstehen wissenschaftlicher Theorien und Methoden genauso wie für Persönlichkeitsentwicklung und die Vorbereitung auf eine spätere berufliche Tätigkeit ist die Fähigkeit, Bestehendes kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls neue Wege einzuschlagen. Im Mittelpunkt vieler Lehrveranstaltungen steht allerdings vor allem der Wissenserwerb. Wissen allein genügt jedoch nicht; es ist einen notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Die verbale Reproduktion von Wissen in Prüfungssituationen ist keine Garantie, dass Studierende dieses Wissen später auch erfolgreich zur Anwendung bringen können. Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass Studierende trotz umfangreichen theoretischem Wissens oftmals nicht in der Lage sind, komplexe Problemstellungen in der Praxis ihres Fachgebiets erfolgreich zu bearbeiten. In der Hochschullehre beschränkt sich das Angebot natürlich nicht alleine auf das kognitive Lernen, sondern widmet sich auch der Vermittlung von Kompetenzen. Allerdings wird die Vermittlung von diesen Kompetenzen oftmals in spezielle Seminare zur Schlüsselqualifikation ausgelagert, getrennt von der fachwissenschaftlichen Lehre. Diese Trennung erschwert den Transfer der Qualifikationen in die fachliche Arbeit.

Handlungsorientierte Lehr-Lern-Methoden aus dem Bereich des Game-based Learnings können diese Integration fördern, indem sie abstraktes Wissen an konkrete individuelle Erfahrungen knüpfen. Eine etablierte Methode ist die Kombination von klassischen Lehrveranstaltungen mit Planspielen. Die Vorlesung dient hierbei der Präsentation von Fachwissen. Sie ist geprägt durch die Vermittlung abstrakter Begriffe, Beobachtungen und Reflexion. In ihr kommen Methoden der vermittlungsorientierten Didaktik wie Impulsreferate, Lehrgespräche und Expertenbefragung zum Einsatz. Das Planspiel ermöglicht dagegen ein aktives Ausprobieren mit individuellen Erfahrungen und der Schulung von Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kommunikation oder Führungsfertigkeiten.

Das Konzept und Ziel von Holistic ist es, diese beiden Bereiche zu verbinden und dadurch eine umfassende und gemeinsame Vermittlung von Kompetenzen und Fachwissen anzustreben. Im Prozess des Spielens müssen beispielsweise Interessenkonflikte auf kommunikativem Weg gelöst werden und Probleme kooperativ bewältigt werden. Planspiel schaffen zudem durch ihren immersiven Charakter eine sehr starke intrinsische Motivation bei den Teilnehmern. Gut ausbalancierte Planspiele wie Holistic etablieren dazu einen Spielfluss, der die Spieler permanent zwischen Unter- und Überforderung positioniert. Gleichzeitig positionieren sie eine beständige Anschlusserwartung. Ist eine Aufgabe absolviert und das Feedback zum Ergebnis der eigenen Handlung erfolgt, verspricht bereits die nächste Aufgabe neue Herausforderungen. Dadurch entsteht idealerweise ein Flow: Die Mechanismen des Spiels treten in den Hintergrund, die Spieler gehen im Spiel auf und konzentrieren sich auf ihre Entscheidungen und Handlungen im Rahmen der Narration des Spiels.

Neben allen objektiven Kriterien sollen die Holistic-Planspiel als Spiel den Studierenden nicht zuletzt auch Spaß bereiten und soll damit die Motivation, sich in der Lehre zu engagieren, steigern.

Dieser Beitrag wurde unter Didaktisches Konzept abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.