Stadtführung durch Warschau im Angesicht deutsch-polnischer Geschichte

Quelle: Wikimedia

Warschau im August 1944. Die polnische Heimatarmee wagt den Aufstand gegen die deutschen Besatzer. Militärisch hoffnungslos unterlegen, versucht die Untergrundbewegung Warschau nach vier Jahren Terrorherrschaft vor Einmarsch der Roten Armee selbst zu befreien und einen unabhängigen polnischen Staat auszurufen. Verbände aus Wehrmacht und SS, bewaffnet mit schwerem und modernstem Kriegsgerät, schlagen die Erhebung innerhalb von zwei Monaten nieder.

Unsere Führung durch Warschau bezogen auf die Geschichte Deutschlands und Polens beginnt an einem Bürogebäude in der Innenstadt und Jan, unser Stadtführer, ein sympathischer Brite mit polnischen Wurzeln, erklärt uns die Bedeutung dieses eher unauffälligen im Volksmund auch past-a genannten Hochhauses. Hier konnte die Heimatarmee unter schrecklichen Verlusten auf beiden Seiten im Spätsommer 1944 einen der wenigen erfolgreichen Angriffe verbuchen.

Jan, unser Guide.

Eines wird nach dem ersten Standort der Führung allen bewusst: Die geschichtlichen deutsch-polnischen Beziehungen, die eng mit der Geschichte der Stadt Warschau verflochten sind, werden vor allem durch eines dominiert: Krieg.

Der Weg führt uns durch das ehemalige Ghetto, vorbei an der einzigen Synagoge Warschaus, die den Zweiten Wektkrieg überlebt hat. „Diese Stadt ist eine Stadt der Details!“ fasst Jan passend zusammen, denn die Reliquien, die das Geschehen dokumentiert haben, sind kaum noch aufzufinden. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde Warschau völlig zerstört, sodass tatsächlich überlegt wurde Warschau als Stadt und Hauptstadt aufzugeben und die Ruinen als gigantisches Mahnmal zurückzulassen. 85% der Gebäude waren zerstört, die Metropole eine flache Trümmerlandschaft. Nur Denkmäler und einzelne, verfallende Häuser mahnen den Besucher vor dieser schrecklichen Zeit.

In kaum einer anderen Stadt wurde die Unterdrückung und Vernichtung der europäischen Juden durch die Naziverbrecher so deutlich wie in Warschau. Eindringliche Worte bringen uns auch dieses Kapitel deutsch-polnischer Geschichte ins Gedächtnis. Sowohl über den Aufstand der Ghettobewohner im Jahr 1943, als auch das tägliche Leben und die Angst, mit der die Menschen hier leben mussten, wird uns deutlich gemacht. Eine Holzbrücke, die traurige Berühmtheit erlangt hat, verband damals die beiden Teile des Ghettos, über die täglich viele Menschen gehen mussten, um zu ihrer Arbeit im jeweils anderen Teil des abgesperrten Bereiches zu gelangen. Auf dieser Brücke wurden durch die Gestapo willkürlich Männer, Frauen und Kinder erschossen. An einer Hauswand zeugen Einschusslöcher von tausenden Erschießungen an unschuldigen Menschen. Solche Momente lassen einen mit nachdenklicher Miene und etwas komischem Gefühl weiterziehen.

Diese Eindrücke überschatten, dass es auch gute Beziehungen in der Geschichte gegeben hat. Nach zweieinhalb Stunden mit vielen Erlebnissen und sehr interessanten Informationen endet die Führung in der von den Sowjets wieder aufgebauten Teil der Altstadt.

LINK: Anbieter der Stadtführung: Break in Warsaw
Nico Stürmann, Fotos (außer historisches Warschau): Pauline Schur

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