NGOs verlassen Klimakonferenz

NGOs verlassen das Nationalstadion, in dem COP19 stattfindet

Am Mittwochabend findet ein Climate Justice Assembly statt, eine Versammlung für akkreditierte und nicht-akkreditierte NGO-Aktivist*innen. Sinn und Zweck dabei ist das Informieren über den aktuellen Stand der Verhandlungen, kommende Termine und Aktionen. Bei dieser Assembly schwingt etwas besonderes mit: Viele der international agierenden NGOs haben gemeinsam den Entschluss gefasst, die weiteren Verhandlungen der COP19 in Warschau zu boykottieren. Sie sind enttäuscht vom Stillstand oder gar Rückschritt auf den Verhandlungen, doch sie werden ihre Forderungen nicht aufgeben. Bis zum Ende des Treffens ist allerdings noch nicht klar, wie die Aktion am nächsten Tag konkret ablaufen würde, weshalb wohl vielen, die an dieser Verhandlung teilnehmen, eine lange Nacht bevorsteht. Aber zur allgemeinen Enttäuschung mischt sich Euphorie. Euphorie etwas Großes zu tun, das es so noch nicht gegeben hat.Spätestens Donnerstag Morgen steht für uns der Entschluss, diesen „Walkout“ zu unterstützen. Teilweise in beobachtender Rolle, teilweise aktiv teilnehmend.

Gegen 13.30 Uhr versammeln sich die Akkreditierten, die ein Zeichen setzen wollen, innerhalb des Gebäudes und verlassen die erfolglose und frustrierende Klimakonferenz in Warschau. So stehen kurz darauf rund 500 Aktivist*innen von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, darunter Greenpeace, der WWF, der BUND und Oxfam, gemeinsam auf den Stufen des Stadions und präsentieren ihre Botschaft: „#polluters talk,we walk“, aber auch „#volveréremos“- „wir kommen wieder“. Die Presse fängt diese Bilder ein und auch wir können uns mit dieser und anderen Botschaften in die Gruppe mischen. Und obwohl das Verlassen der Konferenz durch die NGOs ein drastisches Signal ist, greift schnell eine heitere und hoffnungsvolle Stimmung um sich. Die Aktivist*innen feiern dieses „historische Ereignis“, feiern letzten Endes sich selbst.

Mit dabei und auch an der Organisation der Aktion beteiligt, beschreibt Susi von Friends of the Earth die ganze Aktion als sehr „faszinierend“ und „super gelaufen“. Ihre Ziele haben sie erreicht, viele NGOs unterschiedlicher Interessengebiete wurden zu einer gemeinsamen Handlung bewegt und haben damit den Delegierten signalisiert: „So, wie die Verhandlungen bisher gelaufen sind, kann und darf es nicht weitergehen!“

Diese Meinung teilen auch viele in unserer Gruppe, und doch hinterfragen wir gleichzeitig, ob die Durchführung der Aktion genügend Druck auf die Delegierten ausgeübt hat. Deshalb dürfte sowohl „intern“ als auch „extern“ gespannt gewartet werden, welche kurz- und langfristigen Aktionen im Namen des Klimaschutzes geplant werden.
Marlena Schade, Fotos: Pauline Schur

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