Brot für die Welt: Einsatz für Klimagerechtigkeit und Entwicklung

Im Conversion Space trafen wir am Freitag, den 22.11.2013 Sabine Minninger – Policy Advisor on Climate and Energy – von „Brot für die Welt“. Trotz ihrer anstrengenden vergangenen Wochen war sie bereit, sich mit uns zu treffen, ihre freundliche und offene Art steckte uns sofort an und sorgte für eine angenehme Gesprächsatmosphäre.
Sie informierte uns über ihre Arbeit auf der COP 19 und schilderte uns ihre Sicht auf die momentane Situation in der Klimapolitik.

Im Endeffekt gibt es momentan drei große Verhandlungsstränge. Ersterer ist die ADP-Debatte (Ad-hoc working group on Durban Platform), hierbei handelt es sich um eine Verhandlungsbasis für ein Nachfolgeprotokoll des Kyoto-Protokolls. Im Grunde ist das wichtigste hier zu beachten, wie die Fähigkeiten und Kapazitäten der Länder genutzt und gerecht berücksichtigt werden können.
Entmutigend war der Ausstieg auf australischer und japanischer Seite. Hinzu kam auch, dass kein Land bereit war, verbindliche Aussagen für die Zeit nach 2020 zu treffen.

In der zweiten Debatte geht es um die Equity-Frage, die Frage, woran Gerechtigkeit gemessen werden soll. Ist die entscheidende Kennziffer das BSP oder das Einkommen pro Kopf an der gemessen werden soll, welchem Land wie viel Hilfe zugeteilt werden soll? Dieses Problem ist bis dato ungelöst.

Die „Loss and Damages“-Debatte ist die Dritte. Für viele Staaten ist der Klimawandel schon eine aktuelle Gefahr und die momentanen Debatten somit hinfällig. Wetterkatastrophen treten in zu kurzen Abständen ein, als dass Anpassungen noch von Nutzen sind. Die hiervon am meisten betroffenen sind die Entwicklungsländer, diese haben einen bedeutenden Schritt getan.
Zum ersten Mal stehen sie als Einheit den Industrieländer gegenüber. Sie fordern einen eigenständigen Mechanismus – eben Loss and Damages – um ihre momentane Situation bewältigen zu können. Sabine Minninger hofft auf eine Einigung und besonders darauf, dass die Entwicklungsländer standhaft bleiben.

Auch über die Finanzierung der Maßnahmen, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, sprachen wir. Hierzu soll der Green Climate Fond eingerichtet werden, er soll bis 2020 100 Milliarden US $ beinhalten. Die Finanzierung ist jedoch mehr als unsicher, bis jetzt hat sich kein Land hierfür bereit erklärt.
Die Gelder sollen durch öffentliche Mittel aufgebracht werden und nicht durch Private Institutionen. Das Finanzierungsproblem führt zu folgendem weiteren Problem. Die Industriestaaten verlangen von den Entwicklungsländern, dass sie sich Klimazielen verpflichten. Gleichzeitig erhalten sie aber keine Zusage für die Finanzierung von Klimaprojekten.

Die Vorreiterrolle Deutschlands wurde in den vorhergehenden Tagen häufiger diskutiert, wir haben Sabine Minninger zu ihrer Meinung hierzu befragt. Sie sieht Deutschland auf jeden Fall in dieser Position, ob Deutschland diese erfüllt blieb offen. Die Ambitionen der EU in der Klimapolitik sind abhängig von denen Deutschlands und die EU wiederum zieht die Ambitionen der restlichen Welt nach oben. Demnach hat Deutschland eine enorme Verantwortung inne.

Interessant war auch ihre Aussage was nötig sei, damit die Industriestaaten die Folgen des Klimawandels als reale Gefahr wahrnehmen. Zunehmende Naturkatastrophen werden ihrer Meinung nach zu oft nicht auf den Klimawandel bezogen. Solange „Krokodile im Wohnzimmer eine ganz normal Wettererscheinung“ blieben, werde sich an der Einstellung der Industriestaaten nichts ändern.

Wir alle beendeten die Runde mit positiver Stimmung. Das Gespräch gab uns einen guten Einblick in den aktuellen Stand der Verhandlungen und der Aufgabe einer NGO.

Antonia Schafft, Victoria Roschelle Steinbrenner

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