Klimakonferenz und Menschenrechte – eine nicht ganz einfache Beziehung

Yep Sano vor der Presse

Auch wenn es makaber klingen mag, so hatten doch viele die Hoffnung, dass der Taifun Haiyan den kurz darauf stattfindenden Klimaverhandlungen eine menschliche Dimension hinzufügen würde. Schnell gerät bei Diskussionen über Clean Development Mechanisms, Mitigation, Adaptation und vor allem über die Finanzierung in Vergessenheit, dass dahinter Menschen und deren Schicksale stehen.

Nicht nur akute Umweltkatastrophen bedrohen das Leben tausender Menschen, sondern auch regelmäßig wiederkehrende Dürren, Überschwemmungen und damit einhergehende Hungersnöte. Die Bevölkerungsgruppen, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, haben am wenigsten Mitsprache bei UN-Klimaverhandlungen und keine mächtige Lobby, die über Einfluss und Geldmittel verfügt.

So deutlich die Verbindung von Klimaschutz und dem Schutz von Menschen und Menschenrechten ist, bekommt man als Konferenzteilnehmer der COP 19 eher den Eindruck, man sei auf einer Messe für regenerative Energien unterwegs. An kleinen Infoständen stellen Länder, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen mit Flyern, Buttons und Broschüren ihre Klima- und Umweltschutzmaßnahmen vor. Selbst Japan, das im Verlauf der UN-Konferenz eher Negativschlagzeilen mit der Rücknahme seiner Emissionsziele machte, propagierte auf einem Side Event im Rahmen der COP 19 seine Projekte für saubere Energien. Spätestens, wenn einem als Willkommensgeschenk eine Filztasche mit dem Logo des Sponsoren Lotos, eine polnischen Ölgesellschaft, überreicht wird, stellt man sich die Frage, wie es um die moralische Seite des Klimagipfels tatsächlich bestellt ist.

Bei unserem Treffen mit der Lutheran World Federation verwies Carolin Richter bereits auf die fehlende menschliche und moralische Sichtweise während der UN-Klimaverhandlungen. Nach den ersten Konferenztagen bekam ich einen ähnlichen Eindruck von den stattfindenden Events und Verhandlungen und war umso erfreuter, als ich von einem Side Event mit dem Titel „Global Justice, Equity and Sustainability“ hörte. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Brahma Kumaris World Spiritual University aus Indien und deren Leiterin Jayanti Kirpalan, die selber eine der RednerInnen war.

Außerdem zu Wort kamen Joachim Golo Pilz, Leiter des Solar Research Institute World Spiritual Trust aus Indien, das mit der Brahma Kumaris Universität zusammenarbeitet, Curtis Doebbler, Rechtsprofessor im Auftrag von international-lawyers.org, Obi Goodluck, Leiter des Global Alert for Defence of Youth and the Less Privileged (GADYLP) aus Nigeria und Mithika Mwenda, Generalsekretär der Pan African Climate Justice Alliance.

Abgelehnte Visaanträge sind das Thema hitziger Publikumsbeiträge.

Abgelehnte Visaanträge sind das Thema hitziger Publikumsbeiträge.

Die Beschreibung der Veranstaltung als menschliche Perspektive auf Klimaschutz war vielversprechend und weckte in mir hohe Erwartungen. Zu Beginn des Events gab jeder der Redner ein kurzes Statement, bevor Fragen gestellt werden konnten. Curtis Doebbler bezog sich auf die UN-Menschenrechtskonvention und appellierte an die Delegierten, neben der wirtschaftlichen Dimension auch die menschliche und  menschenrechtliche Sicht zu beachten.

Die Redebeiträge der übrigen Gäste waren weniger objektiv. Obi Goodluck bemängelte die Tatsache, dass die Menschen aus betroffenen Ländern und Gebieten keine echte Stimme im Verhandlungsprozess bekämen. Vertretern Nigerianischer NGOs wären reihenweise Visaanträge abgelehnt worden, woraufhin als Reaktion ein emotionaler Redebeitrag aus dem Publikum gehalten wurde. Ein Nigerianischer NGO-Vertreter schrie förmlich seine Empörung über die Ungleichbehandlung der Delegierten in die anwesende Menge. Passend dazu beschwerte sich ein Vertreter der Afrikanischen Mediengruppe darüber, dass sein Redebeitrag erst als letztes angehört wurde, was dem Kernthema der Veranstaltung widerspräche.

Nach den Publikumsbeiträgen wurde von den Rednern eine abschließende Reflexion gehalten und auf einige Wortmeldungen kurz eingegangen. Eine Diskussion entstand leider nicht, dafür forderte Jayanti Kirpalani in ihrem Schlusswort alle Anwesenden auf, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, um mehr Menschlichkeit in den Alltag zu bringen.

Meine anfänglichen Erwartungen an die Veranstaltung wurden leider enttäuscht. Ich hatte mir eine wissenschaftlichere, objektivere Debatte gewünscht, die legitim und nachvollziehbar für eine stärkere Einbeziehung von Menschenrechten in die Klimaschutzverhandlungen argumentiert. Dementsprechend bleibt nur zu hoffen, dass das Thema Menschenrechte in den kommenden Verhandlungen in Lima 2014 einen höheren Stellenwert einnimmt.

Kerstin Mayr (auch Fotos)

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